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Montag, 16. Juni 2008
Maskentradition im Wandel
Die Maskentradition stellte und stellt ein zentrales Element der traditionellen afrikanischen Religion dar. Lange nachdem die Kolonialzeit und die Missionierung ihre Auswirkungen auf die Kulturen gezeigt hatte, kam es zu einer Unterwanderung der Maskentradition durch den Tourismus. Der touristische Einfluss (große Hotels veranstalteten Maskentänze) beschränkte sich auf wenige Gebiete, parallel dazu wurden in anderen Gebieten die Traditionen fortgeführt. Heute jedoch kennen die jungen Mitglieder der aktiven Volkstanzgruppen (diese agieren meist außerhalb religiöser Riten) das Bild der alten Kulturen nicht mehr. Für sie sind die neuen Formen, durch den Einfluss fremder Besucher, nun Teil ihrer Kultur, in der sie ihre afrikanische Identität finden. Zum Beispiel finden sich auf heutigen Masken Kunststoffe oder andere industrielle Materialien (wie bei den Egungun-Maskenkostümen). Ungeachtet aller Neuerungen sind diese aber authentisch, da sie für tradierte Maskenauftritte gebraucht werden. Das Maskenwesen greift nicht nur Motive aus dem Jenseits (bzw. nicht greifbaren Wirklichkeit) auf, sondern nimmt Ereignisse wahr und dokumentiert. Sie versucht die Lebenswirklichkeit darzustellen. (nach Maskenwesen in Afrika von Gerd Chesi)
Labels:
Afrika,
Geschichte,
Maskentradition
Dienstag, 27. Mai 2008
Einleitung: Maskenwesen und Maskenkunst
Masken können geheimnisvoll und faszinierend sein, sie können verbergen und auch gleichzeitig entlarven. Masken verzaubern, verfremden, verstecken, verwandeln oder verdeutlichen.
In diesem Blog möchte ich regelmäßig über das Maskenwesen und über die Maskenkunst schreiben. Der heutige Eintrag ist eine kurze Einleitung in das Thema "Maske".
Das Wort "Maske" stammt wohl aus dem Arabischen "mas-chara", das so viel bedeutet wie Scherz oder Maskarade. Doch die wirkliche Herkunft des Wortes ist noch umstritten. Masken existieren schon seit Urzeiten. Ihre Bedeutung war grundverschieden von der heutigen: was ursprünglich Geist, Ahne oder Halbgott bedeutete, wandelte sich erst viel später zur Maskierung.
Masken sind überall auf der Welt zu finden: in Afrika, Asien, Australien, rund um den Nordpol und in Amerika. Hier spielte oder spielt das Maskenwesen in seinen ursprünglichen Formen noch heute oder in der sehr nahen Vergangenheit eine bedeutsame Rolle im kulturell-religiösen Leben.
Die ältesten Belege für das Maskentragen finden sich in den Höhlenmalereien in Nordwest-Spanien und Südfrankreich, die vor etwa 12.000 Jahren entstanden sind.
Die Lust an der Verwandlung ist eines der urältesten Spiele des Menschen. Der Wunsch anders zu wirken und auszusehen, als man ist: ein zweites Gesicht zu haben, ein Gesicht eines anderen aufzusetzen. Diese Verwandlung hat aber bei fast allen Gemeinschaften kultische Bedeutung besessen und religiös-mythische Funktionen erfüllt; nämlich die Vorstellung, die eigene Körperlichkeit abstreifen zu können, setzt den Glauben an etwas Unsterbliches, etwas Ungreifbares voraus.
Die Maske als kultisches Instrument wurde vermutlich zunächst als Jagdutensil verwendet, um z. B. Antilopen oder anderes Wild zutraulich zu machen. Doch dann wurde die Maske wohl bei oder vor der Jagd benutzt, um das Jagdglück zu beeinflussen; d.h. die Maske wurde von einem Jagdwerkzeug zu einem magischen Gegenstand. Der Mensch verwandelt sich in das zu jagende Tier und verzaubert auf diese Weise seine Opfer. Deshalb gibt es sehr viele Tiermasken.
Der Maskenschnitzer hat hierbei eine besondere Rolle. Er ist nicht mit unserem heutigen Verständnis des Künstlers gleichzusetzen. Dem Schnitzer werden besondere Kräfte zugeschrieben: er schafft nicht einen tierischen oder menschlichen Ausdruck, sondern ruft den Geist durch seine Schöpfung, durch sein Handwerk. Die Tiermasken stellen somit keine Tiere dar, sondern den Geist der Tiere. Es ist der besondere, individuelle Stil der Maske, der den Geist hervorruft. Damit die Masken auch ihre Wirksamkeit haben, werden meistens diese Masken gesegnet oder geopfert. Zum Beispiel müssen die Buschgeistmasken ständig durch Opfer besänftigt werden.
Masken dürfen nicht als Einzelstück bzw. als ein isoliertes Objekt betrachtet werden. Masken müssen immer in Verbindung mit Tanz, Gesang und Musik gesehen werden. Das Thema Maskentanz wird in einem späteren Eintrag behandelt.
Masken haben sich immer mehr von einer sakralen Funktion abgewendet: nämlich von der kultischen Handlung zur öffentlichen Unterhaltung und Belustigung, wie z. B. im Theater oder im Zirkus. Heute kennen wir auch Masken im Alltag, wie die Schutzmaske für die Arbeit oder im Sport.
In diesem Blog möchte ich regelmäßig über das Maskenwesen und über die Maskenkunst schreiben. Der heutige Eintrag ist eine kurze Einleitung in das Thema "Maske".
Das Wort "Maske" stammt wohl aus dem Arabischen "mas-chara", das so viel bedeutet wie Scherz oder Maskarade. Doch die wirkliche Herkunft des Wortes ist noch umstritten. Masken existieren schon seit Urzeiten. Ihre Bedeutung war grundverschieden von der heutigen: was ursprünglich Geist, Ahne oder Halbgott bedeutete, wandelte sich erst viel später zur Maskierung.
Masken sind überall auf der Welt zu finden: in Afrika, Asien, Australien, rund um den Nordpol und in Amerika. Hier spielte oder spielt das Maskenwesen in seinen ursprünglichen Formen noch heute oder in der sehr nahen Vergangenheit eine bedeutsame Rolle im kulturell-religiösen Leben.
Die ältesten Belege für das Maskentragen finden sich in den Höhlenmalereien in Nordwest-Spanien und Südfrankreich, die vor etwa 12.000 Jahren entstanden sind.
Die Lust an der Verwandlung ist eines der urältesten Spiele des Menschen. Der Wunsch anders zu wirken und auszusehen, als man ist: ein zweites Gesicht zu haben, ein Gesicht eines anderen aufzusetzen. Diese Verwandlung hat aber bei fast allen Gemeinschaften kultische Bedeutung besessen und religiös-mythische Funktionen erfüllt; nämlich die Vorstellung, die eigene Körperlichkeit abstreifen zu können, setzt den Glauben an etwas Unsterbliches, etwas Ungreifbares voraus.
Die Maske als kultisches Instrument wurde vermutlich zunächst als Jagdutensil verwendet, um z. B. Antilopen oder anderes Wild zutraulich zu machen. Doch dann wurde die Maske wohl bei oder vor der Jagd benutzt, um das Jagdglück zu beeinflussen; d.h. die Maske wurde von einem Jagdwerkzeug zu einem magischen Gegenstand. Der Mensch verwandelt sich in das zu jagende Tier und verzaubert auf diese Weise seine Opfer. Deshalb gibt es sehr viele Tiermasken.
Der Maskenschnitzer hat hierbei eine besondere Rolle. Er ist nicht mit unserem heutigen Verständnis des Künstlers gleichzusetzen. Dem Schnitzer werden besondere Kräfte zugeschrieben: er schafft nicht einen tierischen oder menschlichen Ausdruck, sondern ruft den Geist durch seine Schöpfung, durch sein Handwerk. Die Tiermasken stellen somit keine Tiere dar, sondern den Geist der Tiere. Es ist der besondere, individuelle Stil der Maske, der den Geist hervorruft. Damit die Masken auch ihre Wirksamkeit haben, werden meistens diese Masken gesegnet oder geopfert. Zum Beispiel müssen die Buschgeistmasken ständig durch Opfer besänftigt werden.
Masken dürfen nicht als Einzelstück bzw. als ein isoliertes Objekt betrachtet werden. Masken müssen immer in Verbindung mit Tanz, Gesang und Musik gesehen werden. Das Thema Maskentanz wird in einem späteren Eintrag behandelt.
Masken haben sich immer mehr von einer sakralen Funktion abgewendet: nämlich von der kultischen Handlung zur öffentlichen Unterhaltung und Belustigung, wie z. B. im Theater oder im Zirkus. Heute kennen wir auch Masken im Alltag, wie die Schutzmaske für die Arbeit oder im Sport.
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